9 Monate mit der Canon 5DsR

Im Sommer letzten Jahres ist die 50 Megapixel-Kamera Canon 5Ds bei mir eingezogen. Zuerst als 5Ds und etwas später als 5DsR.

Heute möchte ich, nach etwa 9 Monaten mit der Kamera, ein kleines Fazit ziehen.

1. Zuverlässigkeit/Robustheit

Die Kamera hat mich während der gesamten Zeit nicht ein einziges Mal im Stich gelassen. Sei es bei extremer Hitze und Luftfeuchtigkeit in China, Regen und Kälte während einer Bergwanderung oder üblem Getümmel in einer Großveranstaltung.
Der Autofokus ist extrem zuverlässig und trifft auch bei schlechtem Licht sein Ziel. Der Akku hat ohne Klagen meine max. 700-800 Fotos pro Tag durchgezogen und war nie im Bereich des letzten Viertels. Obwohl die Kamera schon die halbe Welt gesehen hat, sieht sie aus wie neu. Irgendwie muss das Ding eine “Anti-Kratzer-Beschichtung” haben. Ich muss aber dazusagen, dass ich die Kamera im Amateur-Einsatz habe und immer versuche, sie pfleglich zu behandeln. Im Tagesgeschehen der Profis geht es bestimmt anders zur Sache.

2. Bildqualität
Die technische Bildqualität halte ich für bestechend. (Für meine inhaltliche Inkompetenz kann die Kamera nichts )
Kontraste und Farben werden nach meinem Geschmack authentisch dargestellt und ich bin nur ganz selten mal beim Aufhellen von Schatten an der Grenze des Erträglichen.
Wegen der vielen Pixel ist es allerdings leichter, verwackelte Bilder zu erzeugen. Dem kann man aber mit verkürzter Verschlusszeit entgegenwirken. Ich habe dafür den Regler für die Mindest-Verschlusszeit im Auto-ISO-Menü zwei Balken nach rechts verschoben. Das führt zu Verschlusszeiten nach der Formel ~1/(Brennweite * 4).
Natürlich kommt man mit dieser Methode bei schlechtem Licht an die Grenzen der Kamera, gehen dadurch doch zwei Blendenstufen verloren, bzw. müssen höhere ISO-Zahlen zum Einsatz kommen.
Bei den ISOs gehe ich völlig schmerzfrei bis 3.200 und notfalls auch auf die 6.400. Auf Ausdrucken bis 60x40cm sieht man das Rauschen quasi nicht. Bei der 100%-Ansicht am Monitor mag der eine oder andere Betrachter mit dem Rauschen nicht zufrieden sein. Da hilft übrigens ein 4k-Monitor Praxisrelevant ist das Rauschen für MICH jedenfalls nicht. Aber JA, die 5D Mark III macht diesen Job etwas besser!

3. Datenmengen und Hardware-Anforderungen bei der Bildbearbeitung
Die unglaublichen Datenmengen von 70-80 MB pro RAW-Datei haben mich tatsächlich zwischendurch bewogen, mich von der 5Ds zu trennen! Ich habe es mehrfach nicht geschafft, eine Tagesration von 300 Fotos abends im Hotel zu verarbeiten und habe aus Frust darüber die erste Kamera verkauft. (Man muss auch mal einen blöden Fehler machen)
Aber nur, um nach zwei Wochen festzustellen, dass ich von den 50 Megapixeln unrettbar angefixt bin.
Also mussten eine neue 5DsR und eine Lösung des Geschwindigkeitsproblems gefunden werden.
Für die Kamera fand ich in Martin Achatzi einen willigen Lieferanten und das Geschwindigkeitsproblem konnten meine EDV-Kollegen durch ein Notebook mit einer ordentlichen Grafikkarte lösen. Man glaubt gar nicht, welchen gewaltigen Geschwindigkeitszuwachs man durch eine einfache GPU bei Photoshop erreichen kann. Besonders die Funktionen Selektiver Scharfzeichner und das Entrauschen profitieren davon erheblich. Beides wichtige Schritte in meinem Bearbeitungsskript.
Beim Speichern der fertig bearbeiteten Fotos leiste ich mir übrigens den Luxus, die JPGs nur mit etwa 33 Megapixeln auf der Festplatte abzulegen. Dann kann man noch munter in die Fotos zoomen und hat immer noch 288 DPI bei 60x40cm.

4. Crop-Möglichkeit
Die Crop-Möglichkeit ist gigantisch, kann man doch bei den Pixeln aus dem Vollen schöpfen! Aber wieso ist das für mich so wichtig? Man kann doch auch gleich näher an das Objekt herangehen oder munter Zoomen…
Das liegt daran, dass ich wirklich sehr gern Ausschnitte aus den Fotos verwende. Als alter Festbrennweitenfetischist bin ich nämlich vorwiegend mit der Objektiv-Reihe 24/2.8 IS, 40/2.8, 85/1.8 und 135/2 unterwegs. Diese relativ kleinen und leichten FBs machen übrigens an der 5DsR durchweg einen tollen Job. Da muss es nicht immer die fette L-Linse sein!
Wie ich schon mal schrieb, benötige ich für mein maximales Ausgabeformat, den Druck auf 60x40cm, etwa 12,5 Megapixel als Ausgangsgröße. Und diese Anzahl Pixel ergibt sich erfreulicherweise exakt bei einem Crop, der dem Einsatz eines 2x-Konverters entspricht.
Somit wird aus meinen Festbrennweiten jeweils ein kleines Digital-Zoom-Objektiv. Z.B. ein EF 85-170/1.8 .
Für die schnellen Situationen der von mir geschätzten Street-Fotografie eine tolle Funktion.
Und bei den langen Brennweiten wird dieser Crop-Vorteil noch ausgeüprägter. Wird doch aus dem 100-400/4.5-5.6 ein 100-800/4.5-5.6 oder aus dem 300/2.8 ein 300-600/2.8

5. Fazit, Dies und das
Wie Ihr diesem kleinen Resümee entnehmen könnt, bin ich mit der Kamera und den genutzten Objektiven richtig zufrieden. Das Volumen-/Geschwindigkeits-Problem ist gelöst und das Limit bei 6.400 ISO ist auch nicht weiter schlimm.
Ich kann diese Kamera jedem empfehlen, der nicht die überwiegende Zahl seiner Fotos im High-ISO Bereich macht.
Ach, zum Thema Stativ möchte ich noch zum Besten geben, dass ich das für die 5DsR wirklich NICHT benötige. 99% meiner Fotos entstehen aus der Hand.